Wort auf dem Weg

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen"

von Sonja Heimbürge

Es war vorbei: Jesus war in den Himmel gefahren. Die Apostel wurden nicht müde, bei jeder Gelegenheit die frohe Botschaft dieses Ereignisses weiterzugeben:
„Jesus ist der Sohn Gottes. Er ist gestorben, damit jedem, der ihm glaubt, die Schuld vergeben und eine durch Liebe getragene Freundschaft mit Gott geschenkt wird. Und Gott hat Jesus von den Toten auferweckt und zum König über alle Welt gemacht.“
Viele Menschen glaubten dieser Botschaft. Es wurden Gottesdienste gefeiert – die erste christliche Gemeinde entstand. Den religiösen Autoritäten aber passte dies gar nicht, sie ließen Petrus und die anderen Apostel einsperren. Nachdem diese über Nacht von einem Engel befreit worden waren, begannen sie sofort damit, wieder in der Tempelanlage zu predigen. Die Apostel wurden daraufhin vor den Hohen Rat (höchste religiöse Gerichtbarkeit dieser Zeit) gebracht, wo man ihnen verbot, weiter von Jesus zu predigen. Ihre Antwort:
„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg. 5,29)
Dies ist der Monatsspruch für Juni. Wie sieht nun dieser Gehorsam aus, den Gott von den Menschen fordert? Was genau verlangt er damit von ihnen?

Der Auftrag, die Botschaft von Jesu Auferstehung zu verkünden, war den Jüngern direkt von Jesus gegeben worden. Sie sind diesem Auftrag nachgekommen, weil sie ihren Herrn geliebt und an ihn und seine Botschaft geglaubt haben. Sie kannten ihn, die Ereignisse, die bis zu seiner Fahrt in den Himmel geführt hatten, sowie seine Lehren aus erster Hand und wussten, was er von ihnen verlangte. Denn nur, wenn ich weiß, was Gottes Wille für mich ist, kann ich diesem auch folgen. Ohne Bibel und Gebet, in denen Gott sich uns gegenüber offenbart, geht es also nicht.
Wie sieht es nun mit meiner persönlichen Bereitschaft aus, Gottes Willen in meinem Leben oberste Priorität zu geben? Wie wichtig ist mir das, was Gott von mir will? Wie wichtig sind mir seine Ansichten? Anders ausgedrückt: Was bin ich bereit zu geben bzw. zu verlieren, um Jesus nachzufolgen? Für die Apostel war das nichts Geringeres als im schlimmsten Fall ihr Leben. Was ist es für uns? Sind wir bereit, Freunde und Familie vor den Kopf zu stoßen, gar zu verlieren, uns Spott auszusetzen, weil wir Gottes Willen befolgen und seine Ansichten übernehmen und vertreten, auch entgegen dem aktuellen Zeitgeist?
Die meisten haben sicherlich die eine oder andere Bibelstelle, die ihnen aufstößt; sei es grundsätzlich oder in einer aktuellen Lebenssituation, in der sie in der Bibel lieber eine andere Lösung bzgl. ihres Problems lesen möchten, eine, die ihnen gefällt. Einen Vers, den sie lieber überlesen, relativieren, ihren Wünschen und Vorstellungen entsprechend „anpassen“ würden.
Unter welchen Umständen bin ich also bereit, Gottes Willen über meinen eigenen zu stellen, auch wenn dies im ersten Moment nachteilig für mich zu sein scheint? Die Antwort ist Vertrauen. Wenn Gott von uns Gehorsam verlangt, so verlangt er, dass wir ihm Vertrauen schenken, so wie die Apostel Jesus vertrauten und seinen Auftrag ausführten. Vertrauen im Allgemeinen, aber eben auch in schwierigen Lebensumständen, in denen wir Gottes Entscheidungen für uns nicht verstehen. Nur wenn ich Gott vertraue, dass er „Gedanken des Friedens und nicht des Leides“ (nach Jeremia 29,11) für mich hat, so werde ich auch gewillt sein, ihm zu gehorchen. Er erwartet von uns somit keinen blinden Gehorsam, sondern einen Gehorsam, dessen Basis Vertrauen ist.