Wort auf dem Weg

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

von Bernd Hübner

Wie oft haben wir das schon gebetet? Aber was bedeutet es zu vergeben?
Warum stellt Jesus die Vergebung unserer Schuld in Beziehung zu unserer Bereitschaft zu vergeben (Lk 11,4 / Mt 6,12 / Mk 11,25)?
Auch Paulus stellt diesen Zusammenhang her (Eph 4,32 / Kol 3,13). Da ist keiner der ohne Schuld ist, auch nicht einer. Wer also sagt, er habe keine Sünde, der belügt sich und Gott. Würde uns die Strafe für unsere Sünden treffen, wären wir völlig vernichtet.
Niemand kennt das Maß seiner Sünden, nicht einmal ich selbst kann erkennen wie oft ich fehle. Das haben schon die Schreiber der Psalmen erkannt (Ps 19,13 / Ps 38,5 / Ps 25,7 / Ps 40,13).
Wenn ich also glaube, dass Jesus die Strafe für meine Sünden getragen hat, lies einmal Jesaja 53, 1-12, lies es dir selbst laut vor, und sage dir, " Das hat Jesus für mich getan." Wer bin ich dann, wenn ich sage, nur für mich! Nein, Jesus hat es für alle getan.
Vergebung,- Schuld wird nicht mehr angerechnet Ps 103. Der Ort der Bestrafung ist das Kreuz, hier hat Jesus die Strafe für uns getragen. Dorthin bringen wir auch unsere Schuld die derer, die sich an uns versündigt haben. Und dort am Kreuz ist die Sache dann erledigt. Was ist wenn der, der uns verletzte das Gleiche wieder tut? Na dann, eben wieder an's Kreuz. Wie oft (reicht 7mal)? So oft wie nötig!
 
Das sind die offensichtlichen Verletzungen, die wir an bestimmten Situationen festmachen können:
Verletzende Worte, Betrug, Ungerechtigkeiten und im schlimmsten Fall Raub und körperliche Verletzung. Da sind aber auch die Verletzungen, die ein tiefes Loch in uns hinterlassen, die bitteren Neid auf andere hervorrufen, denen es (scheinbar) besser ergangen ist. Oft ist Selbstmitleid kennzeichnend, da man ja an dem persönlichen Umfeld leidet, welches einem nicht die Anerkennung oder Zuwendung gibt, die eigentlich angemessen wäre.
In einer perfekten, heilen Welt hätten deine Eltern (dein Mann, deine Frau) dich auch richtig geliebt, sie hätten alles getan, damit du eine glückliche und stabile Persönlichkeit wirst. Aber das konnten sie nicht, denn auch sie hatten schon dieses große Loch in ihrem Herzen. Glaub mir, nach 30 Jahren Ehe und als Vater von 5 Kindern bin ich, obwohl gläubig und mit Jesus unterwegs, so oft an Grenzen gestoßen, dass ich heute nur noch beten kann: Vater vergib mir, und fülle du den Mangel bei meinen Kindern meiner Frau aus, gib ihnen all das, was ich nicht geben konnte.
Mittlerweile wissen sie ja alle, wer ihnen gibt was ihr Herz braucht. Diese Art der Verletzung erkennt man an Gedanken wie z.B. : "Ich will nie so werden wie mein(e) (Eltern) Vater/ Mutter", oder "ich werde alles besser machen als meine Eltern". Wenn der Lehrer damals seinen Job richtig gemacht hätte, wäre auch aus mir was geworden. Hät' ich mal doch die, den... (oder am besten gar nicht) geheiratet.
 
Dann gibt es aber noch ein Verletzt sein, bei dem wir selbst schuld sind, wo wir Buße tun müssen. Das sind die Situationen wo wir mit Wahrheit (Wort Gottes) konfrontiert werden (Mt 15:12 / Apg 19:28 / 2Tes. 2:10-12 / Spr. 29:1). Wir wollen nicht wahrhaben, dass unser eigenes Verhalten uns Schmerzen zufügt, in Einsamkeit gefangen hält oder was auch immer. Der Überbringer der Wahrheit ist dann schnell das Ziel unsere Bitterkeit, es werden Verbündete gesucht, und Parteiungen entstehen, weil nicht mehr Wahrheit sondern Meinungen, Überlieferungen oder allgemeines Denken (Der Geist dieser Welt) zählen.
 
Da kann ich dann nur noch beten, " Herr, mach meiner Finsternis Licht!"