Wort auf dem Weg

Machen Sie sich mal keine Sorgen, es ist ja jemand da

von Ingmar Müller

Ich höre noch die Worte meiner Oberschwester des Krankenhauses, in dem ich meine Ausbildung vor über 25 Jahren absolviert hatte. Ich sollte die Verantwortung für die Station am Wochenende allein übernehmen und sie sicherte mir zu, dass ich im Notfall ja eine Krankenschwester einer anderen Station ansprechen könne. Irgendwie fühlte ich mich allein gelassen…. die Verantwortung für 25 Patienten… werde ich auch an alles denken, was zu tun ist?... werde ich es rechtzeitig mitbekommen, wenn ein Notfall eintritt?….. und werde ich dann auch die Kollegin im Haus finden, wenn ich nicht mehr weiter weiß?…. Ich wusste nicht, was mich erwarten wird.

Etliche von uns würden das sicher ähnlich sagen angesichts der schwierigen Zeit in der Corona-Pandemie heute…. Wir wissen nicht, was noch alles kommt… Werden wir und unsere Verantwortlichen an alles denken, was wir dagegen tun können?... Werden wir selber den Menschen in ihren unterschiedlichen Notsituationen angemessen helfen können?

Kurz bevor Jesus in den Himmel aufgefahren ist, stand er mit seinen elf engsten Mitarbeitern auf einem Berg und erinnerte sie noch einmal an den Auftrag, den er ihnen mit auf ihren weiteren Lebensweg gab: Dass sie allen Menschen dieser Welt davon erzählen und sie spüren lassen sollen, dass Gott alle Menschen bedingungslos liebt; dass es Vergebung für ihre Rebellion und alles Versagen gibt; dass es übernatürlichen Frieden in schwierigen Situationen gibt und ein sinnerfülltes Leben auch in schwierigen Umständen. Und er beendete seine letzte Rede mit den Worten: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Matthäus 28,20

Das „siehe“ unterstreicht die Prägnanz dieses letzten Satzes im Matthäus-Evangelium. Jesus selbst sagt uns zu, dass Er bei seinen Jüngern bleibt, nicht irgendwo im Haus unterwegs und im Notfall zu suchen, sondern Er ist jedem Menschen nahe. Für uns ist Jesus heute nicht mehr als Mensch sichtbar wie damals, aber dennoch ist er jedem Menschen erfahrbar nahe, der sich nach ihm ausstreckt und der seine Nähe sucht. Es gab in der Menschheitsgeschichte der letzten 2000 Jahre viele Höhen und viele Tiefen - Zeiten, in denen Menschen der Gegenwart ihres Herrn greifbar nahe waren und auch Tage, an denen man an die Gegenwart eines guten Gottes kaum glauben konnte. Jesus sagt uns auch heute zu, dass er an jedem Tag bei uns ist - an jedem Tag! Wir wissen heute noch nicht genau, wie wir in der weiteren Zukunft unser Gemeindeleben gestalten werden können; einige von uns wissen nicht, ob und wie sie den zukünftigen Herausforderungen weiter gewachsen sein werden… beruflich, persönlich, familiär…… Uns allen gilt die Zusage unseres Herrn Jesus Christus: „Ich bin bei dir in jedem Augenblick, du kannst mir vertrauen! Ich tröste dich in deiner Angst! Ich schenke dir neue Kraft, wenn du am Ende deiner Möglichkeiten bist! Ich vergebe dir alle Schuld, die dich heute auch quält! Ich helfe dir Antworten zu finden, auch auf die Fragen von Morgen! Es gibt in jedem Augenblick erfülltes und sinnstiftendes Leben, auch in schwierigen Umständen und schweren Lebenssituationen! Das gilt auch und gerade dann, wenn wir als Gemeinde derzeit einen Großteil unserer Veranstaltungen nicht in gewohnter Weise durchführen können und auf kreative Wege angewiesen sind, unser Gemeindeleben zu gestalten. Der Auftrag Jesu für die Gemeinde bleibt übrigens bestehen.