Wort auf dem Weg

Gedanken zur Jahreslosung

von Ingmar Müller

Kennt ihr noch Omas bunte Sammeltassen? Als kleiner Junge war es für mich eine besondere Aufgabe, diese an Omas Geburtstag vorsichtig aus dem Schrank zu räumen und damit den Kaffeetisch zu decken. Wichtig war es, dass jede Tasse den passenden Teller hatte. Neulich habe ich sie wieder entdeckt. Zugegebenermaßen lässt sich heute über den Geschmack vergangener Tage streiten. Aber das Besondere an ihnen ist ja, dass jede Tasse mit ihrer Untertasse und ihrem Kuchenteller ein Gedeck in ganz unterschiedlicher Art und alle einzelnen Gedecke gemeinsam ein Service bilden.
Immerhin kommen in der über 100-jährigen Geschichte der Sammeltassen unterschiedlichste Motive, Farben und Formen vor. Sicherlich  gewöhnungsbedürftig für denjenigen, der das strikte Muster eines einheitlichen Geschirrs gewohnt ist. Ich dachte dabei an uns und unsere
Gemeinde. Sind wir nicht auch ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichsten Biographien, Charakterzügen und Erfahrungen, Stärken und Schwächen, Vorlieben und Ängsten? Eigentlich gar nicht verwunderlich, dass sich daraus ganz unterschiedliche Sichtweisen auf Probleme und Prioritäten ergeben, oder?! Oft genug müssen wir mit Kränkungen und Vorbehalten umgehen, die sich genau daraus ergeben. Viel leichter erscheint es dann, wenn die Atmosphäre einer Gemeinde sich so anfühlt wie das gut sortierte einheitliche Kaffeeservice. Alle sind zumindest ähnlich geprägt, sehen und handeln ähnlich oder idealerweise gleich. Ich kenne solche Gemeinden, deren Lebens- und Glaubensstruktur eine bestimmte Prägung von Menschen anzieht und diese sich auch oft sehr verstanden und angenommen fühlen. Problematisch ist nur, dass dabei Menschen mit anderen Erfahrungen und folglich auch anderen Fragen und Problemen oft genug durch das imaginäre Raster fallen. Die einen schütteln dann vielleicht ihren Kopf bei diesen Menschen mit diesen ihren komischen Ansichten, Fragen und Ideen. Die anderen setzen alles daran, um die Neuen von ihrem doch so bewährten System ihrer Ansicht zu überzeugen. Wie gut, dass Gott, unser liebender Vater, eine ganz andere Sicht hat: Paulus drückt es in Römer 15, 7 so aus:

„Den Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus“.

Ich wünsche uns, dass wir in unseren unterschiedlichen Sichtweisen und Fragestellungen nicht den Kampf miteinander um das Recht des Stärkeren kämpfen, sondern den Segen der Vielfalt und der gottgewollten Ergänzung suchen. So werden wir die Fülle des himmlischen Segens empfangen auf unserem weiteren Weg, den Gott mit uns gehen will, in unseren Ehen und Familien und in unserer Gemeinde in
allem, was wir tun!
Der Herr segne dich und uns heute dazu!