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Und nehme sein Kreuz auf sich

von Ursula Schröder

"Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir." (Matthäus 16, 24)
Leicht scheint verständlich, was das meint: Kreuz heißt leiden und nachfolgen heißt nachwandeln, leben wie Jesus: Der nehme sein Leiden auf sich
und lebe wie ich. Leiden auf sich nehmen mag ja noch angehen, aber leben wie Jesus? Das ganze scheint unerreichbar – und das soll auch so sein. Einer will uns sagen: Das braucht ihr gar nicht erst zu versuchen, das schafft ihr nie! Diese Weisung Jesu zu erfüllen wäre wirklich unmöglich, wie es überhaupt unmöglich ist, seine Weisungen zu erfüllen ohne den Heiligen Geist, um den wir bitten dürfen, zudem in seinem Namen mit der Zusage, dass wir erhört werden: "Was ihr mich bittet werdet in meinem Namen, das will ich tun." (Johannes 14, 14) Was aber ist nun diese Weisung? Leiden aufnehmen? Wie denn? Leiden haben wir, ob wir wollen oder nicht, es gehört einfach zum Leben in dieser Welt, es wird uns zugeteilt. Wie sollen wir denn aufnehmen, was unvermeidbar ist?
Was hat nun Jesus getan? Er hat in Gethsemane sein Leiden angenommen und seinen Tod. Er ist den Weg gegangen, der ihm von Gott bestimmt war. Er hat seinen Auftrag angenommen, für die Sünden der Welt, stellvertretend für uns, nicht nur zu leiden, sondern auch zu sterben. Denn Gott verhängt im Gesetz für einige Vergehen den leiblichen Tod und für die Anwendung von Ihm den zweiten Tod, das ewige Verderben. Jesus hat die Sühne für beides auf sich genommen.
Er hat den von Gott gegebenen Auftrag angenommen, indem er das Kreuz auf sich genommen hat. Und genau das ist es, was wir von ihm lernen sollen: Wir sollen ihm darin nachfolgen, dass wir die von Gott gegebenen Aufträge genauso getreu ausführen, wie er den Weg nach Golgatha.
Von uns wird nicht verlangt, die Menschheit zu erlösen. Gott hat für jeden seine Aufgaben nach dessen Gaben und Möglichkeiten. Fantasie und Aufmerken sind hier gefragt. Luthers Magd, die getreu und ordentlich die Stube kehrt, gehört zweifellos hierher. Die Mutter, die ihre Kinder liebevoll erzieht, der Lehrer, der seine Schüler sorgfältig unterrichtet, der Pfarrer, der sein Amt gewissenhaft verwaltet, der Arzt, der seine Patienten heilungsorientiert versorgt, sie alle „nehmen ihr Kreuz auf sich“, nicht ihr Leiden, sondern ihren Dienst, wenn sie dies alles nach Gottes Weisungen tun, den Mitmenschen zu lieben wie sich selbst.
Nur eine Aufgabe ist allen gemeinsam: den Hungernden zu essen zu geben, die Durstigen zu tränken, die Nackten zu kleiden, das Gebot der Barmherzigkeit. (Jesaja 58,
7) Denn das ist das einzige Gebot, das Jesus im Gericht einfordern wird. (Matthäus 25, 31ff) Das heißt für uns aktuell: für Nahrung und Wasser sorgen für die Menschen in den Hungerländern dieser Welt.
Was aber meint: „Folge mir nach!“ ? Wie Jesus leben geht nicht, das wissen wir schon. Was haben die getan, die ihm nachgefolgt sind, seine Jünger? Sie sind bei ihm geblieben und sie sind in seiner Unterweisung geblieben, sie haben täglich seine Reden gehört und sicher auch versucht, danach zu leben. Das also ist Nachfolge: leben
im Hören auf sein Reden und im Gehorsam.
Der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach, meint also: Der erfülle seinen Auftrag gewissenhaft und menschlich, und bleibe unter seiner Weisung. Das „Kreuz“, das wir auf uns nehmen sollen, muss also kein Leiden, sondern kann eine herzliche Freude sein.

 

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